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Das perfekte Partykleid finden.

„Size Germany“ oder: Die Kehrseite des Wohlstands

Wir haben es alle schon längst vermutet, nun kommt die Wahrheit endlich ans Licht: Wir sind nicht zu dick – die Kleider sind zu klein! In einer großangelegten Studie mit dem einprägsamen Titel „Size Germany“ haben Forscher mit Hilfe von über 13.000 Probanden im Alter von 6 bis 87 herausgefunden, dass sich unsere Körper in den vergangenen Jahrzehnten im Durchschnitt erheblich verändert.

Die Wissenschaftler führen dies besonders auf die Überfluss-Versorgung der europäischen Wohlstandsgesellschaft und eine lange Friedensperiode zurück. Andere Forscher aus der Schweiz und aus Dänemark verweisen allerdings auch auf eine stark ansteigende Konzentration an Hormonen in den Nahrungsmitteln als Folge einer Überdüngung in der Landwirtschaft, dem massiven Einsatz von Wachstumshormonen in der Tierzucht und nicht zuletzt dem breiten Einsatz von pharmazeutischen Hormonpräparaten wie der Anti-Baby-Pille.

Andere Experten gehen außerdem davon aus, dass eine bessere medizinische Versorgung und die protein- und fettreichere Ernährung wichtige Faktoren für das Wachstum sind. Besonders in den USA und in Großbritannien haben sich Handel und Industrie bereits der neuen Realität gestellt und stellen zahlreiche Produkte, Geräte und Dienstleistungen für einen körperlich großer werdenden Kundenkreis her – angefangen bei größeren Autositzen bis zu Änderungen in den Maßen und Sicherheitsbestimmungen etwa für Aufzüge.

In der Studie „Size Germany“ stellte sich heraus, dass die Deutschen seit 1980 größer und breiter werden. So ist eine Frau durchschnittlich etwa einen Zentimeter größer, hat beinahe zwei Zentimeter an der Hüfte zugelegt, über zwei Zentimeter an Brustumfang und sogar über vier Zentimeter mehr auf der Taille. Sollte dies das Ende der weiblichen Wespentaille sein?

Kleidermaße im Spiegel der Zeit

Die Konfektionsgrößen haben sich dagegen kaum verändert, was viele Vertreterinnen der Damenwelt mitunter zur Verzweiflung treibt: Dabei liegt das Problem nicht an uns, wir brauchen einfach eine Reform für Konfektionsmaße! Vergleicht man gar die heutigen Maße mit den Kleidergrößen der Fünfziger Jahre, entspricht die Größe 38 etwa der Größe 44 von damals – kein Wunder, dass frau sich manchmal etwas dick fühlt.

Doch auch die Herren der Schöpfung sind von der Veränderung nicht verschont geblieben: Mit einem zusätzlichen Hüftumfang von beinahe vier Zentimetern und einem Wachstum an der Taille von über vier Zentimeter übertreffen die Männer die deutschen Damen nur noch mit einem größeren Brustumfang von plus sieben Zentimeter und einer gestiegenen Körpergröße von weiteren drei Zentimetern.

Nun will die Textilindustrie offenbar europaweit die Kleidergrößen anpassen und einheitliche Maße schaffen, damit die Kunden leichter die richtige Kleidergröße finden. So gehören verwirrende Maßangaben bei Schuhen und missverständliche Konfektionsgrößen bei Kleidung bald der Vergangenheit an.